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IMPROSITION Hybridensemble Berlin ist eine grenzüberschreitende Formation aus Berlin. Dirk Dresselhaus (Schneider TM), Katrin Vogel und Simon Berz arbeiten als transdisziplinäres Ensemble in wechselnden Besetzungen – als Duo, Trio oder mit Tänzer Gabriel Obergfell und Gästen. Im Zentrum steht eine einzigartige Methode: Improvisation, Komposition und visuelle Notation geschehen simultan. Die entstehenden grafischen Partituren funktionieren als autonome Kunstwerke und als Scores für weitere Interpretationen. Klangkunst, experimentelle Musik, Bildende Kunst und Tanz verschmelzen zu einem integrierten künstlerischen Prozess.

IMPROSITION “shifted erruption” LP Artwork Performance Walcheturm Exhibition 2022
Katrin Vogels Alphorn bringt die klassische Tradition und die archaische Kraft der Naturtöne ein. Nach 30 Jahren als Stellvertretende Solohornistin der Komischen Oper Berlin arbeitet sie seit 2025 selbständig mit dem Fokus auf experimentelles Alphorn. Die Entdeckung des Alphorns 2006 markierte eine entscheidende Wende. Sie entwickelte eine eigene künstlerische Sprache, die die meisterhafte Beherrschung der Naturtöne mit experimentellen Erweiterungen verbindet.
Simon Berz entwickelt mit seinem TECTONIC-Instrumentarium aus isländischen Basaltsteinen, Drums und Elektronik eine eigene klangliche Topografie zwischen Geologie und Techno. Der transdisziplinäre Schlagzeuger und Klangkünstler arbeitet seit 2003 von Berlin aus und kollaborierte über zwei Jahrzehnte mit Apparat, Schneider TM, Pfadfinderei und international mit Bill Laswell, Nils Petter Molvaer, Kondo Toshinori und Lee Scratch Perry. Er entwickelte eigene Instrumente, die geologische Zeitskalen mit gegenwärtiger Performance verbinden.
Schneider TM (Dirk Dresselhaus) erweitert das Ensemble mit seiner elektroakustischen Praxis, die von Krautrock-Sedimenten bis zur Popavantgarde reicht. Die zentrale Figur der Berliner Szene arbeitet seit Mitte der 90er Jahre zwischen popnahen Kontexten und abstrakten Soundscapes. Er fokussiert auf instantly composed freeform music mit modularen Setups, Sound Objects und Field Recordings. Dresselhaus produzierte und mixte Berz' Solo-LP TECTONIC für Karl Records Berlin.
Wenn Gabriel Obergfell hinzutritt, entsteht eine Verkörperung der visuellen Notationen im Raum. Seine choreografische Arbeit macht die Partituren physisch erfahrbar und öffnet die Performances für partizipative Formate. Die Grenze zwischen Ausstellung und Konzert, zwischen bildender Kunst und Musik, zwischen Beobachtung und Teilnahme löst sich auf.
Das Material sedimentiert sich in regelmäßigen Proben. Alphorn, Schneider TMs elektronische Strukturen, TECTONIC und Bewegung verdichten sich zu einer gemeinsamen Klangsprache zwischen Drone, Ambient, elektroakustischer Improvisation und rhythmischen Eruptionen. Die harmonische Struktur bewegt sich jenseits traditioneller Kadenzharmonik. Mikrotonale Interferenzen und Schwebungen zwischen den Obertönen des Alphorns und den elektronisch prozessierten Basaltklängen erzeugen ein immersives Klangfeld, in dem sich die Grenzen zwischen akustischem und elektronischem Klang auflösen.
Die Basaltsteine werden zu mehr-als-menschlichen Kollaborateuren. Ihre millionenalte Geschichte und physikalischen Eigenschaften nehmen aktiv am Entstehungsprozess der Musik teil. Das D.I.Y.-Instrumentarium – TECTONIC aus isländischen Basaltsteinen, das Alphorn als archaisches traditionelles Instrument, Schneider TMs selbstgebaute elektronische Setups – verkörpert eine Haltung, die industrielle Produktionslogiken unterläuft.
26. März – TECTONIC LP Release Party, West Germany Berlin (Simon Berz / SCHNEIDER TM)
1.–10. Mai – Gewürzmühle Zug
17. Mai–5. Juli – Gluri Suer Huus Wettingen
28.–29. August – Monster Groove, Chollerhalle Zug (Soziale Plastik)
16.–18. September – Kunstraum Walcheturm Zürich
TBA Oktober – Mengi Reykjavík