Drums and Soundart

Simon Berz

MTR Transdisciplinary Studies in the Arts

Drummer, sound artist, director of the Badabum music school born on 26 January 1967, Baden (CH)


https://simonberz.kleio.com/

https://arttv.ch/musik/simon-berz-portrait/


„Wie geht es, in der Kunst, Hoffnung zu machen, zum Staunen zu bringen?

Nickelsdorf. Der Grenzort zu Ungarn, wo ein Container mit 70 Toten strandete. Und ein Festival, wo frei improvisierte Musik stattfindet. Der Festivalleiter hat viele Flüchtlinge im Übergangslager aufgenommen, bevor sie weitergezogen sind. «Nickelsdorf» zeigt, was ein Free Jazz-Festival auch leisten kann, nämlich die Aufnahme in die Gemeinschaft, Menschlichkeit, der Abbau von Angst, von Barrieren. Gibt es eine Kultur der Hoffnung? Diese Frage beschäftigt mich. Eigentlich ist es einfach, in der Kunst Angst zu machen. Wie aber geht es, in der Kunst, Hoffnung zu machen, zum Staunen zu bringen?

Mein Schaffen ist Energie. In der Natur, im Dialog mit Menschen. Die Entwicklung von Instrumenten, Klangkunstinstallationen, Performances, von Sprachen und Methoden durchdringt mich. Sie basiert auf Zuhören und Beobachten, auf Klang- und Materialforschung, Umsetzung experimenteller Formate und deren ästhetische Vermittlung. In Offspaces genauso wie in öffentlichen Räumen, in Clubs, Galerien oder Konzertsälen. Meine transdisziplinären Arbeiten in experimenteller und improvisierter Musik, in Klangkunst und neuen Aufführungs-formen zielen auf Innovation, Interaktion und Partizipation hin.

Ich bin Schlagzeuger, Klangkünstler, und leite eine eigene Musikschule in Zug. Solo, mit anderen MusikerInnen, Formationen, KünstlerInnen und den SchlagzeugschülerInnen meiner Musikschule bin ich in der Schweiz und international unterwegs.“

Über Simon Berz

Seine Arbeiten in experimenteller und improvisierter Musik, in Klangkunst und neuen Aufführungsformen zielen auf Innovation, Interaktion und Partizipation hin. Simon Berz ist Schlagzeuger und Klangkünstler. Ausgehend von improvisierter Musik kreiert er in seinen Performances und Kompositionen Brücken zu bildender Kunst, Tanz, Film. Seine Arbeiten sind in Offspaces genauso zu Hause wie im öffentlichen Raum, in Clubs, Galerien oder Konzertsälen.

Die Entwicklung von Instrumenten, Klang(-kunst)installationen und Performances beschäftigt ihn seit seiner Jugend. Sie basiert auf Zuhören und Beobachten, Klang- und Materialforschung, auf Umsetzen experimenteller Formate und deren ästhetische Vermittlung. Neben der Entwicklung einer eigenen rhythmischen und klanglichen Sprache mittels des elektroakustisch manipulierten Schlagzeugs «Rocking Desk» entwickelte Simon Berz das «Lithophon». Klingende Steine, die er elektronisch verstärkt und verfremdet, wobei die Klänge durch Tropfen aus Infusionsbeuteln erzeugt werden. 2011 wurde die Klanginstallation mit dem «Werkjahr des Kantons Zug» ausgezeichnet.

Als Schlagzeuger & Elektroniker tourt Simon Berz solo und mit anderen MusikerInnen und Formationen durch Japan, China, Russland, die USA, Cuba, Island, die Türkei und Europa. Er arbeitet mit Toshinori Kondo, Kidd Jordan, Skúli Sverrisson, Kirk Joseph, Rob Mazurek, Mars Williams, James Singelton, Jeff Albert, Dan Oestreicher, Aurora Nealand, Paul Lowens, Rob Cambre, Helen Gillet, Xu Fengxia, Willem Schulz, Niki Glaspie, Franz Hautzinger, Isabelle Duthoit, Dave Rempis, Jojo Mayer und vielen mehr. Simon Berz ist regelmässig Gast der Zürcher Formation Superterz. 2017 spielte Superterz einen Monat lang jeden Abend u.a. mit Baby Sommer, Toshinori Kondo, Al Comet (The Young Gods), Burnt Friedman, Niels Petter Molvear, und Mauro Pawlowski (DEUS).

Für Theater- und Filmproduktionen komponiert Simon Berz Soundscapes und Musik. Das IOIC Improvisationsorchester brachte drei Stummfilmvertonungen unter seiner Leitung im Filmpodium Zürich und am spin-off Filmfestival Locarno zur Uraufführung. Weitere Aufführungen folgten in Beijing, Shanghai und an der ART Basel Hong Kong.

Simon Berz plant in Zusammenarbeit mit Instrumentenbauern, Technikern und Wissenschaftlern weitere Klanginstallationen, welche den Fokus auf Phänomene wie Resonanz und Feedback legen: Wie interagiert man mit Eis, Wasser, Stein, Luft, Wind und Feuer? Was passiert im Abstand zwischen Menschen? Was ist Resonanz – technisch, aber auch psychologisch und energetisch gesehen? Der Klangkünstler sucht nach Möglichkeiten, um menschliche Energiefelder erlebbar zu machen oder die Eigenresonanz des sich-selbst-spielenden-Steins klingen zu lassen.

Es ist das «Ineinander» von akustischer Neugier und ihrer technischen Umsetzung im Zusammenspiel mit dem umliegenden Kontext – in der Natur, in der Gesellschaft – das, was Simon Berz antreibt, transformiert und ästhetisch vermittelt. Nebst dem Klang-Material ist der Raum, wo Kunst und Sound stattfindet, zentral – in einem jüdischen Tuchgeschäft an der Zürcher Langstrasse, in der isländischen Vulkanlandschaft, im Bündner Dorf Peiden. Improvisierte Musik sind für Simon Berz instabile Zustände, in denen man sich befindet. Unsicherheit, Spannung.

Akzeptiert man, dass nichts stabil ist, reagiert man mit Kreativität. Energie ist in der Unsicherheit die Lösung. Simon Berz verstärkt das Material, entwickelt Fehler und «Instabilität» und lädt das Publikum, die Anwesenden und Beteiligten ein zu partizipieren. Im Mitempfinden eines Naturphänomens, in der Konfrontation mit gesellschaftlichen Entwicklungen. Die Stadtperformance in Zug, im August 2017, mit der Kofferorchestra und 30 Refugees zeigt auf, wie Kunst Kreativität im Moment, in der Gegenwart fordert. Das Akzeptieren der Ungewissheit durch Zuhören – Beobachten – Intervention involviert Künstler, Anwesende, Beteiligte und Öffentlichkeit. Und sensibilisiert. Simon Berz schafft mit seinen Interaktionen und Interventionen neue Formen, die kreative Optionen aufzeigen. Signalisieren Flüchtlinge Instabilität in der Gesellschaft – signalisiert das Bergdorf Peiden die Instabilität der Natur. Peiden rutscht. Die geologische Situation bringt die Kirche und das ganze Dorf jedes Jahr ein Stück talwärts. Die «stabile Schräglage» ist für Simon Berz und den holländischen Elektroniker toktek ein inspirierender Gedanke. Das Instabile, Rissige und Ungewisse brachte die Künstler auf die Idee, ein ganzes Haus und das Dorf akustisch festzuhalten. Der rutschende Zustand wurde zum Manifest des Albums «Peiden».

Eine spezielle Beziehung entwickelt Simon Berz seit 2009 zu New Orleans, wo das Projekt «Liquid Land» entstand, eine Fortführung des Klangkunstprojekts 10x10=>11. Simon Berz begann aus Objets Trouvés Instrumente zu bauen und darauf mit Musikern der experimentellen Jazzszene New Orleans‘ zu improvisieren. Aus dem Projekt sind ein Dokumentarfilm und die CD «Liquid Land» entstanden, die auf Tour durch die USA und in der Schweiz vorgestellt wurden. 2013 wurde der Film an den Solothurner Filmtagen gezeigt. Aktuell findet «Liquid Land» seine Fortsetzung mit einer neuen Platte in Zusammenarbeit mit Rob Cambre und Moos Jackson, der mit Spoken Words lyrische Momente improvisiert, die aus gegenwärtigen Situationen heraus entspringen.

Simon Berz gründet 2000 die Musikschule BADABUM Atelier in Zug, die er seither mit viel Engagement und minimen Ressourcen leitet. Mit seinen SchlagzeugschülerInnen «Schepperkids» sorgt er im öffentlichen Raum mit perkussiven Interventionen für Aufsehen. Die «Schepperkids» sind SchweizerInnen, AusländerInnen, behinderte Kinder, Jugendliche, Refugees. Eine Schule, ein Netzwerk, die Bereitschaft von Weltstars mitzumachen: daraus entsteht jedes Jahr der MONSTER GROOVE, eine «soziale Plastik», ein Konzert mit über 60 SchlagzeugerInnen, TänzerInnen, renommierten Gastmusikern. Mit der jährlichen Organisation, Leitung und Aufführung des Happenings in der Zuger Chollerhalle zelebrieren alle Beteiligten quer durch Generationen, Kulturen, Lebensweisen mit Kindern und Jugendlichen aus unterschiedlichsten Verhältnissen die verbindende Kraft des Musizierens. Mit Begegnung, Tanz und Essen.